fiktive Landschaft "Langseetal"

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Konzept -  Stand Januar 2010

Der Ausgangspunkt dieses Konzepts ist meine langjährige Auseinandersetzung mit dem Alpenraum: Seine Landschaften, Erschließung, Geschichte, Kultur und insbesondere Darstellung in der Kunst sowie durch die Tourismusindustrie. Die Ambivalenz von Nutzung und Schutz einer Landschaft ist hier besonders deutlich und exemplarisch für den Umgang des Menschen mit Natur. Im Konzept "Langseetal" habe ich einen Landschaftsausschnitt gestaltet bzw. erfunden, der durchaus meinem Idealbild entspricht, ohne aktuelle Erschließungsmethoden oder Klimaeinflüsse zu vernachlässigen.
Das Idealbild greift den Romantik verwurzelten Grundgedanken der Sehnsucht nach unberührter Natur auf und ist nach wie vor aktuell. So erschaffe ich am Beispiel des bedrohten Naturraums Hochgebirge fiktive Landschaften. Die Fiktion von Landschaft  steigert die Sehnsucht noch, da die reale Erfüllung versagt bleibt, die Landschaft bleibt virtuell.

Um diese Fiktion von Landschaften zu fixieren, bediene ich mich des Mediums der topographischen Karte (siehe Abbildungen unten). In aufwändigen, detaillierten Zeichnungen entwickle ich so eine maßstabsgetreue alpine Landschaft.
Ausgehend von dieser Karte, der absoluten Aufsicht, erstelle ich einen zeichnerischen Katalog von Ansichten aus dieser fiktiven Landschaft. Anhand der Höhenlinien und Oberflächenstrukturen wird die Landschaft auch mittels mathematisch – perspektivischer Konstruktionen in gewöhnliche Ansichten übersetzbar. 2006 habe ich das Verfahren mathematisch optimiert, sodass Verzerrungen nicht mehr möglich sind.
Diese bilden dann, zusammen mit zahlreichen Farbskizzen, die Grundlage für realistische Gemälde, die die Topographie und Stimmung der Landschaft authentisch wiedergeben sollen. Dabei bediene ich mich u.a. bei Elementen der romantischen Malerei, des Realismus oder Fotorealismus und reflektiere typische, von der Tourismusindustrie verwendete, Darstellungsweisen alpiner Landschaften.

So entstehen Landschaftsbilder, die auf der ersten Blick vielleicht wie klassische, klischeehafte Alpenansichten wirken mögen, weil sie in sich geschlossen und realistisch wirken. Sie sind aber ganz anders gemeint. Sie stellen „Hybriden“ dar, eine Kreuzung zwischen kartografischem Entwurf, mathematischer Konstruktion, Simulation, Land-Art, romantischer Sehnsucht, Reflexion von Bergmalerei und der visuellen Realität. Der Begriff „Hybrid“ wird von  Derrick de Kerkhove im Ausstellungstext der „ARS ELECTRONICA 2005: Hybrid - living in paradox“ verwendet. Er definiert die Hybridisierung u.a. als „Ausdruck der archaischen Sehnsucht des Menschen über sich hinauszuwachsen und die Natur zu verändern, zu korrigieren“.

Der kartografische Landschaftsentwurf "Langseetal" wird so vorerst durch etwa 25 Bilder, die unterschiedliche Aspekte und Darstellungsmöglichkeiten des Kartenraums thematisieren, visualisiert. In den letzten drei Jahren habe ich das Konzept erweitert. Die Karte soll nicht nur als Grundlage für Bilder, sondern auch als Basis für fiktive "Fingerreisen" (Daniel Kehlmann in du762-Weltkarten) dienen. So entstanden zahlreiche fiktive Reiseberichte, die in ihrer Zusammenstellung einerseits einen Wander- bzw. Reiseführer, andererseits eine logisch verflochtene Sammlung aller Arbeiten ergeben. Die Veröffentlichung des Buchs ist für Anfang 2011 geplant. Als Vorraussetzung für dieses Buch habe ich 2006 die Berge und Orte in einer zweiten Version der Karte benannt. So entstand auch der neue Projektname "Langseetal".

 

Von der Karte zum Bild:
 

Detail aus der Karte:   

zeichnerische Konstruktion inklusive farbigem Entwurf:
Bild in Ölmalerei: